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Drei Beispiele für „Familien in Not“

Die finanzielle Not in der Familie belastet Eltern und Kinder. Viele versuchen ohne fremde Unterstützung über die Runden zu kommen. Sie schränken sich ein und erzählen nicht von ihrer Not. Doch wir kennen ihre Geschichten:

Sie hat kein leichtes Los: Birgit K. zieht ihre drei schulpflichtigen Kinder alleine groß. Sie ist Krankenschwester und hat eine Teilzeitstelle in einer Klinik. Sie kann arbeiten, weil ihre drei Kinder nach der Schule in einer Offenen Ganztagsschule des Kinderschutzbundes betreut werden.

Birgit K. bekommt keine staatliche Unterstützung. Von ihrem Gehalt muss sie alles bestreiten. Dazu gehören auch die Kosten für die Offene Ganztagsschule. Das sind 70 Euro pro Kind und Monat Gebühr, hinzu kommen 60 Euro pro Kind für die Mittagsverpflegung. Insgesamt summieren sich die Elternbeiträge auf 390 Euro.

Zu viel für die alleinerziehende Mutter. Eigentlich müsste Birgit K. ihre Kinder von den Angeboten der Offenen Ganztagsschule abmelden, doch dann könnte sie nicht mehr arbeiten und wäre auf Hartz IV angewiesen.

Birgit K.

Sie waren sehr glücklich, denn es war ein fast perfektes Familienleben für das junge Ehepaar mit ihren beiden Kindern. Die Mutter versorgte und betreute die beiden Kinder, während der Vater für das Familieneinkommen sorgte.

Mit der Krankenhauseinweisung von Maren R. bricht unerwartet das glückliche Leben der jungen Familie wie ein Kartenhaus zusammen. Neben den großen Sorgen um die Gesundheit seiner Frau steht Michael R. nun vor Betreuungsproblemen, die kaum lösbar erschienen. Großeltern und andere Verwandte können nicht unterstützen, denn sie leben weit entfernt. Damit der Vater seinen Beruf weiter ausüben kann, braucht er eine Betreuungsmöglichkeit für seine beiden Kinder. Michael R. hat Angst vor den zusätzlichen Kosten, die er sich bei seinem Einkommen kaum leisten kann.

Maren R.

Melanie M. klingt sehr verzweifelt, als sie während der Sprechstunde im Familienzentrum des Kinderschutzbundes anruft. Sie erzählt, dass der Vater ihres ungeborenen Kindes sie ganz überraschend verlassen hat. Alles schien gestern noch so perfekt zu sein. Aber jetzt ist ihr der Boden unter den Füßen weggezogen worden. Sie erzählt, dass sie in Kürze ihr zweites Kind erwartet. Gleichzeitig sieht sie große Probleme auf sich zukommen: Sie kann sich die große Wohnung allein nicht mehr leisten. Und dann ist da noch die 4-jährige Tochter Sophie, die seit einem Jahr in die Kindertagesstätte des Kinderschutzbundes geht. Bisher hat der Vater das Kind immer zur Kita gebracht und nach der Arbeit am späten Nachmittag wieder abgeholt. Wie soll sie ohne Auto die sechs Kilometer entfernte Einrichtung erreichen, und wie soll sie die Kosten für den Elternbeitrag und die Mittagsmahlzeit der Tochter aufbringen.

Melanie M.

Aktion „100 Familien in Not“ hilft konkret

Beispiel einer Förderung

Björn* ist 15 Jahre alt und geht in die 9. Klasse einer Gesamtschule im Süden des Kreises Ostholstein. Er nimmt hier regelmäßig an den Angeboten der Offenen Ganztagsschule teil, die vom Kinderschutzbund angeboten werden. Mit seinen fast zwei Metern Körpergröße ist er nicht zu übersehen. Eine besondere Stärke liegt in seinem kenntnisreichen Umgang mit allen möglichen technischen Geräten. Hier kann er auch in der Offenen Ganztagsschule manches Mal Mitschülerinnen und Mitschülern, aber auch den Betreuerinnen hilfreich zur Seite stehen. Gern gibt er sein Wissen an andere weiter. In seiner aufgeschlossenen, ruhigen und gelassenen Art und seinem Interesse mit vielen Dingen umzugehen, findet er besonders bei älteren Mitschülern und Lehrern Anerkennung.

Doch es gibt auch Tage, die für Björn schwierig sind. Es gibt Situationen, in denen er sich ausgegrenzt fühlt. Einzelne Mitschülerinnen und Mitschülern sehen dann nur seine Behinderung, eine starke körperliche Einschränkung, die er nicht verbergen kann. Immer wieder reißt ihn eine Knochenerkrankung aus seinem alltäglichen Leben heraus, dann kann er wie so oft wieder einmal die Schule tagelang nicht besuchen. Das prägt sein Leben seit Jahren, doch er hat versucht, selbstbewusst damit umzugehen und gelernt, selbstständig zu sein. Lehrerinnen und Lehrer und andere Erwachsene, die ihn kennen, sagen von ihm, dass er schon sehr erwachsen wirkt.

Anja* ist vor einem halben Jahr 40 Jahre alt geworden. Sie ist attraktiv, gebildet, geht gerne auf Menschen zu, wirkt dynamisch und ist eine angenehme Gesprächspartnerin. Sie ist seit Jahren in einem großen Unternehmen in Lübeck beschäftigt und kümmert sich im privaten Leben ganz besonders um ihre beiden Kinder. Die Kinder sind ihr großer Schatz, auf die Sie immer ganz besonders stolz ist.

Doch wie viele Menschen in ihrem Alter drücken Sie auch Sorgen. Als ihr ältestes Kind drei Jahre alt war, hat sie sich von ihrem Partner getrennt. Es war eine schwierige Beziehung, die Aufgaben zwischen den Partnern sehr unterschiedlich zu ihren Ungunsten verteilt. Am Ende der Scheidung haben sich Schulden aufgehäuft, die sie übernehmen musste. An diesen finanziellen Folgen hat Sie heute noch zu tragen, zumal der Vater ihres gemeinsamen Kindes nicht zum Unterhalt beitragen kann.

Björn und Anja haben es bisher in ihrem Leben oftmals nicht leicht gehabt. Beide leben in einer Situation, die es ihnen nicht einfach macht, mit großem Optimismus in die Zukunft zu blicken. Doch das merkt man ihnen nicht an.

Björn und Anja sind aufeinander angewiesen, sie müssen und wollen ihren Weg gemeinsam gehen. Björn ist Anjas ältestes Kind. Für beide hat die aktuelle Situation oftmals einschneidende Konsequenzen. Sie versuchen gemeinsam mit aller Kraft ihre Situation zu verändern. Trotzdem gibt es immer wieder Zeiten, in denen die Mutter den Elternbeitrag für den Besuch der Offenen Ganztagsschule und die Versorgung mit einem regelmäßigen Mittagessen finanziell nicht aufbringen kann. Björn sieht die Not seiner Mutter, versucht zu helfen, wo er kann, doch seine Gesundheit setzt ihm oftmals Grenzen. Für ihn gibt es in dieser Situation nur einen Weg: Er will die Schule möglichst bald beenden und eine Ausbildung beginnen. Mit der Ausbildungsvergütung kann er dann die Mutter unterstützen, die auch noch die jüngere Schwester zu versorgen hat. Im Moment ist es für beide das Wichtigste, dass sie für die Zukunft nicht den Mut verlieren, dass es irgendwann besser wird.

Die Leiterin der Offenen Ganztagsschule hat es Ende des vergangenen Jahres schon kommen sehen, dass Anja wieder einmal in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Auf ihre Initiative konnte im Rahmen der Aktion „100 Familien in Not“ des Kinderschutzbundes der kleinen Familie eine vorübergehende Entlastung gewährt werden. Aus Spendengeldern und mit Unterstützung eines Unternehmens, das in der Nähe der Schule angesiedelt ist, konnte für Björn der Besuch der Offenen Ganztagsschule und das Mittagessen zunächst für das erste Halbjahr 2016 finanziert werden. Es ist ein Betrag von 324,00 Euro der hierfür eingesetzt wurde. Ein überschaubarer Betrag, der aber eine große Entlastung für die Familie von Anja und Björn und der kleinen Schwester bietet. Auch wenn die finanzielle Hilfe vielleicht nur ein kleines Loch stopft, so nimmt sie doch in einer kritischen Situation etwas Last von ihren Schultern.

Die Aktion „100 Familien in Not“ will helfen, dass die Last in kritischen Lebenssituationen nicht zu groß wird. Mit den Spendengeldern soll Betroffenen mit überschaubaren Beträgen für den Einzelfall in unbürokratischer Weise geholfen werden. So kann ein Beitrag geleistet werden, dass Menschen an ihrem Schicksal und ihren persönlichen Belastungen nicht zerbrechen.

*Namen geändert